Text

Hier lesen Sie Wortgebilde, Auf- und Absätze, verquere Verse, Lese-Zeichen ...

Möglicherweise sind einige Texte ausgelagert, d.h. sie können dann per Link über einen anderen Server oder in einer Cloud aktiviert werden.                  Ansonsten viel Vergnügen oder auch Stirnerunzeln beim Lesen.

Hier ist einiges noch in Vorbereitung und in Ergänzung ...

 

 

 ZwischendurchGereimtes 037 - krumm <> dumm


Fliegen

Fliegen irritieren mich nicht nur, sie nagen an meinen Nerven. Sie rauben mir Schlaf, Ruhe und Gedanken, Sie lenken meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie drängen sich in den Mit-telpunkt mei­nes Sehfeldes und tanzen mir wortwörtlich auf der Nase herum. Und sie bescheißen meine Bril­lengläser, mein Schreibpapier – zwar pünktchenhaft aber immerhin. Wo auch immer, sie spüren mich mit dreister Sicherheit auf. Und dich haben sie auch schon entdeckt.

  

Es gibt ihrer unzählige, von der kleinen, winzigen Miniatur-ausführung der gemeinen Stubenflie­ge bis hin zum fetten Brummer. Und deren Verwandten. Sie umkreisen und attackieren uns: sol­che mit grauschwarz gestreiften und jene, mit metal-lisch grünschillerndem Hinterleib. Jede Meisterin in Reak-tion und Flugakrobatik. Allesamt lästige Erscheinungen, wenn sie uns als Ort der Nahrungsaufnahme (was gibt's da wohl zu schmausen?) oder als Platz zur Körperpflege (sehr possier-lich) auserwählt haben. Wortlose, beflügelte Terroristen.

  

Nicht auszumalen, wo sie möglicherweise kurz vorher ihr Stelldichein hatten. Zum Beispiel auf angegorenem Obst oder auch halb genießbaren Lebensmitteln. Oder? Die Varianten mit einem feist dampfenden Kothaufen oder der verwesenden End-lichkeit einer Ratte denken wir uns na­türlich als Letztes.

  

Mit anfänglich lässigen Handbewegungen scheuchen wir sie fort – für Augenblicke nur. Es ist müßig, sie scheinen es für ein nettes Spiel zu halten und mögen die wiederholten Bewegungen. Wieder und wieder und immer wieder ...        ... wir möchten am liebsten aus der Haut fahren.

  

Wir, riesig und sie winzig ... wir glotzen uns gegenseitig an ... wir entnervt ... und sie?                             In ihren Fas­settenaugen ist nichts zu lesen. Ob sie wohl lächeln?

 

 ZwischendurchGereimtes 039 - die Nackte mit Apfel


ZwischendurchGereimtes 044 - der tägliche Wahnsinn


Rosa Rauschen

Unterwegs,                                               doch keine 1000 Schritte von einem hungrigen Blatt Papier entfernt,                                                habe ich ein Netz über meine flüchtigen Gedanken geworfen.

Doch die Flut                                             hat sie hinweg gespült                                  meine einzigartigen Sandburgen.

 

wer schweigt

  

 

 Text auf´s Papier - Ende der siebziger Jahre ...


wie ich einmal etwas erlebte

da ging ich durch diesen blaugrünen Gewitterwald – in                                                          meinen                                                      Sandalen                                          quatschte                                                 der Regen –                                                  als sie plötzlich vor mir stand,                          die gute Fee!

so was:                                                      eigentlich meinte sie ja, „verzaubere mich“, sagte aber, „verzuckere mich“

ich war                                                         völlig                                                 ratlos




Anfreundung mit der Ungewissheit

all                                                          diese                                                       Fragezeichen                                            sehen aus wie kleine Seepferdchen                           ? ? ?




wilde Wasser

aus der Entfernung wird des Auges Trugschluss                     schöngemalt                                              doch der Fluss springt schon entfesselt                 reißt das Alte ohne Bestand

im Boot zu kentern – eine Frage des Augenblicks              fischgeworden das Spiel aufzunehmen                        gelingt´s im Veitstanz der Wogen




Reisen

in anatomisch geformten Sitzen –                   gestreifte Großzügigkeit in Sachen Beinfreiheit –         mit oder ohne Gegenüber, festgelegten Zielen entgegen,       wenn kein Prellbock uns aufhält.




Sandbild mit Handlung (aus „Sydney Symphony“)

unterm scharfen Fels                                      wie Klappmesser gebeugt im Arm die Knie                      beinwärts gewickelt das Badetuch                             die Augen hinter getöntem Glas                               beobachten wir aus diskreter Distanz                         salzig-sandige Schauspiele in brillanten Farben

sag mir, was du siehst und ich errate deine Gedanken

Strandleben                                                  aus der Entfernung gesehen ameisengleich                     wimmelnd im heißen Südsand                                   ameisenungleich ziellos in Sonne, Hitze, Schweiß             stürzt trunken in türkis und azurblaue Flut        Bademode                                                     verteilt schaukelnde Leuchtpunkte                     lautlos fließende Soldatenströme                             tausende unbemerkt                                           erschließen zielstrebig Wege                               zu den verstreuten Essensresten


 


Drei Versuche, einen Augenblick in den Griff zu bekommen

Drittens: Die durchbiegsamen Katzen

Das Bild war zwei Finger breit im Rahmen verrutscht.      Die Geräusche der Straße drangen gedämpft durch die halb geöffneten Dachfenster und mischten sich träge mit dem Knarren der Dielenbretter.

Zweitens: Die durchbiegsamen Katzen

Das Bild war zwei Finger breit im Rahmen verrutscht.      Die Geräusche waren ebenfalls verrutscht. Sie drangen durch die Kaulquappenmäuler der Dachfenster.

Erstens: Die durchbiegsamen Katzen

zwei Finger breit                                            gedämpfte Geräusche                                                    in einer Umhüllung aus Dielenbretterknarren              toi, toi, toi




Schach der Schachtel (für Hans Magnus Enzensberger)

Auf der Suche nach Vollkommenheit                            bemerkte ich eine Öffnung in meiner Schachtel,         gerade so groß, dass ich mich hindurchzwängen konnte.                                                            Daraufhin befand ich mich in einer weitaus größeren Schachtel, in der ich nach einiger Zeit wiederum auf eine Öffnung stieß,                                       hindurch stieg                                               und in eine noch größere Schachtel gelangte.

Immer wieder fand ich Öffnungen                              und schließlich erreichte ich eine Schachtel, deren Grenzen sich scheinbar aufgelöst hat­ten.

Nun musste ich mir eine Frage beantworten: Kam ich mir frei oder winzig vor?

Ich freute mich erst einmal.




Kunstwerk

Jede Zeit hat ihren eigenen            Ausdruck                                                Form,                                                 Sprache                                                      mal kristallin, mal umwobene Camouflage,                     mal als Wort, mal als Bild,                                  das hörbar werden will und sei´s nur im Monolog,             eine gestaltgewordene Erinnerung                             auch wie                                                     eine rasch gewachsene Sprosse                             zum Festhalten und Emporsteigen.